By Michael Urban

Die Frage nach dem Verhaltnis zwischen den Einzelnen und dem Sozialen ist spatestens seit der Erfindung der Soziologie im 19. Jahrhundert Thema einer Vielzahl theoretischer Klarungs- und Beschreibungsansatze. In immer wieder neuen Varianten wurde versucht, dieses Verhaltnis zu begreifen als die Relation von Teil und Ganzem, von Individuum und Gesellschaft, von psychischen und sozialen oder von subjektiven und objektiven Strukturen - um nur die wichti- ten der zumeist binar strukturierten Begrifflichkeiten anzusprechen, die zur Theoretisierung dieses Zusammenhangs genutzt wurden. Der Diskurszus- menhang der soziologischen Systemtheorie in der von Luhmann (insbesondere 1 1987, 1997) begrundeten und von einer Reihe anderer Autoren weiterent- ckelten shape hat zur Bestimmung dieses Verhaltnisses einen spezifischen und von den bisherigen Konzepten stark abweichenden Vorschlag hervorgebracht: In Anschluss an die Arbeiten Luhmanns (vgl. etwa 1987: 32, 192) wird das Feld des Sozialen uber den Ausschluss des Psychischen konstituiert. Soziale Systeme bilden sich nach dieser theoretischen Konstruktion nicht uber das gemeinsame Handeln oder Interagieren von Menschen, Individuen oder Subjekten, sondern werden als operativ geschlossene, ihrer eigenen Autopoiesis folgende Systeme konzipiert, die sich uber die Selbstkontinuierung der Vernetzung eines spezi- schen Typus von Operationen bilden. Dieser systemkonstituierende Operatio- typus wird fur soziale Systeme in der Kommunikation gefunden (Luhmann 1987: 193, 1997: 81).

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44 Aus dieser Konstruktion entspringt die Annahme der Gleichursprünglichkeit von Unterscheidung und Bezeichnung. Die Bezeichnung ist nicht möglich ohne das Bezeichnete in der Operation der Bezeichnung von dem anderen mit dieser Bezeichnung nicht Bezeichneten zu unterscheiden45. Aber genauso ist auch eine Unterscheidung nicht möglich, ohne in der Markierung oder der Bezeichnung einen marked state zu produzieren, der sich gegenüber einem unmarked state konturiert46. Das Prinzip der Unterscheidung wird in dieser Abstraktion zurückgeführt auf die Differenzierung eines Etwas von einem Nichts – oder wie sich genauso sagen ließe: eines Etwas von einem Totum.

Indem in der Form ein unauflösbarer Zusammenhang von Bezeichnung und Unterscheidung konzipiert ist, ergeben sich eine Reihe von Bedingungen und Implikationen für das Bezeichnen. Wenn sich eine Bezeichnung operativ nur als Unterscheidung von dem in dieser Bezeichnung Nicht-Bezeichneten vollziehen kann, wird sie dadurch in ihrer Realisierung unumgänglich in verschiedene Beziehungen der Differenz gesetzt. Die Reflexion auf eine erste Unterscheidung ist dabei besonders wichtig, da in dieser theoretischen Figur ein Aspekt des Konzeptes der Form thematisiert wird, der in jeder Unterscheidung aktiviert ist, der allerdings in der Reflexion der Bedingungen der Möglichkeit 44 Eine solche Disbalance oder Asymmetrie, die die Form in die Welt setzt, kann zugleich als Ansatzpunkt für die operative Verkettung von Formen betrachtet werden, vergleiche dazu Luhmann: „Schließlich ist zu beachten, daß anschlußfähige Unterscheidungen eine (wie immer minimale, wie immer reversible) Asymmetrisierung erfordern.

37 Zur Relationierung der Systemtheorie Luhmanns zu Parsons vergleiche Kneer (1996: 302f). 2 Die Rezeption der Laws of Form bei Luhmann Eine differenztheoretische Fundierung und Transformation der Systemtheorie bei Luhmann lässt sich am besten über eine detailliertere Rekonstruktion seiner Rezeption der spencer-brownschen Laws of Form beobachten. Wie bereits dargestellt, bezieht sich diese Rezeption auf die dritte, erkenntnistheoretische Dimension der Laws of Form: Luhmann sieht im Kalkül der Form die Grundlegung einer allgemeinen Theorie der Beobachtung und macht dies zur Basis der Transposition in die Systemtheorie.

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