By Dipl.-Kfm. Wolfgang Graebner, Prof. Dr. Günter Schmölders (auth.)

Die Notenbankpolitik ist wieder in Bewegung geraten. Nach Frankreich und Italien versuchen jetzt auch Holland und sogar die »liberale« Schweiz die monetären Ex­ pansionskräfte, die in den Nachkriegsjahren nur mit leichter Hand gelenkt wurden, schärfer an die Zügel zu nehmen. Nur scheinbar handelt es sich bei den Maßnahmen, die von einer globalen Limitierung des Bankkredites bis zur Kreditzuteilung reichen, um eine Neuorientierung der Notenbankpolitik. Im Grunde genommen aber setzen sie lediglich eine Entwicklung citadel, die schon 1913 mit der Einführung von Mindest­ reserven 1 begonnen und später zur Festsetzung von Rediskontkontingenten und Konsumkreditkontrollen geführt hatte. Die Entwicklung geht in die Richtung einer genaueren Kontrolle der gesamtwirtschaftlichen Liquiditätsverhältnisse, insbeson­ dere aber der Bankenliquidität. Uneingestanden steht dahinter die Erkenntnis, daß die klassischen marktwirtschaftlichen Mittel der Notenbank, die Diskont- und Offenmarktpolitik, in einer Zeit voll konvertibler Währungen mit festen Wechsel­ kursen einem gewaltigen Buchgeldvolumen und einer Vielzahl von gewerblichen Finanzierungs- und Kreditinstituten außerhalb des Geschäftsbankensystems nicht mehr die volle Herrschaft über den Geldwert sichern. Die Erprobung neuer Maßnahmen bedeutet dennoch nicht, daß die klassischen Mittel gänzlich unbrauchbar geworden sind und durch neue ersetzt werden müssen; vielmehr haben die neuen Mittel die Aufgabe, das bestehende Instrumentarium sinnvoll zu ergänzen. Es handelt sich additionally nicht um eine neue Geldpolitik, sondern nur um eine »veränderte« Geldpolitik 2.

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9. Die Arten der »direkten Kontrollen« Beim Versuch einer Systematisierung der »direkten Kontrollen« stellt sich das Problem der schier unübersehbaren Vielfalt und Verschiedenheit solcher geldpolitischen Eingriffe. So schreibt BECK in seinem Kommentar zum Bundesbankgesetz mit Recht, daß sich die einzelnen Arten und Maßnahmen kaum in ein bestimmtes Schema bringen lassen 97. Auch GLESKE ist der Ansicht, daß eine erschöpfende Darstellung der direkten geldpolitischen Eingriffsmöglichkeiten hoffnungslos in eine Kasuistik hineinführe 98.

Reagieren die Banken in der gewünschten Weise, so wird sich lediglich eine Umstrukturierung innerhalb der Liquiditätsreserven der Banken ergeben. Die Liquiditätsquote, bestehend aus Zentralbankguthaben plus Geldmarktanlagen, 70 71 72 73 74 ADAMS, E. , Monetary Restraint and Bank Credit, in: Banking Journal of the American Bankers Association, September 1957. Vgl. , S. 21. In der Bundesrepublik, auf die sich die Ausführungen beschränken, finden Offenmarktgeschäfte nur zwisdIen der Bundesbank und GesdIäftsbanken sowie den Sparkassen statt.

93 39 auf einzelne Kreditarten erstrecken, erlaubt also sowohl eme quantitative als auch eine qualitative Kreditpolitik. 2) Die »,~ontrollbedürftigen« Parameter der Kreditanbieter a) Die Parameter der Mittelbeschaffung Liegt auch das Ziel »direkter Kontrollen« - ebenso wie das des klass~schen Instrumentariums - in einer Beschränkung der angebotenen Kreditmengen und bezieht sich demnach zunächst auf die Mittelverwendung, so kann doch die Notenbank nicht jene Verhaltensweisen der Kreditanbieter außer acht lassen, die auf die Be~ schaffung von Liquiditätsmitteln für das Kreditgeschäft - sei es direkt oder indirekt - gerichtet sind.

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