By Jörg Broschek

Die Frage nach der Entwicklungsdynamik föderativer Systeme gehört zu den Kernbereichen der vergleichenden Föderalismusforschung. Ausgehend von einem mehrdimensionalen Konzept untersucht die Studie Kontinuität und Wandel im kanadischen Föderalismus seit der Gründung des Bundesstaates im Jahr 1867. Im Vordergrund stehen die institutionelle Konfiguration, das approach intergouvernementaler Beziehungen sowie ausgewählte Bereiche der Staatstätigkeit. Die Studie rekonstruiert einerseits die Entwicklung des kanadischen Föderalismus als pfadabhängigen Prozess, in dessen Folge Elemente des interstaatlichen Föderalismusmodells aufgrund von positiven Rückkopplungseffekten kontinuierlich akzentuiert worden sind. Sie zeigt andererseits, dass innerhalb dieses institutionellen preparations ein beachtliches Maß an Variationsmöglichkeiten besteht. In ihrer Gesamtheit ist die Entwicklungsdynamik des kanadischen Föderalismus deshalb keineswegs mit Trägheit oder gar Stillstand zu charakterisieren. Aus vergleichender Sicht lässt sich zeigen, dass der kanadische interstaatliche Föderalismus im Gegensatz zum bundesrepublikanischen Modell des intrastaatlichen Föderalismus exogen wie endogen erzeugten Veränderungsdruck relativ leicht in weit reichende Anpassungs- und Innovationsleistungen zu übersetzen vermag.

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Ursprünglich aus dem Jahr 1979 stammend wurde diese – wohl beste – Einzelfallstudie zum kanadischen Föderalismus mit einem neuen, äußerst lesenswerten Vorwort versehen und erschien in vierter Auflage im Jahr 2004. Noch deutlicher wird die umfangreiche politikwissenschaftliche Beschäftigung mit dem kanadischen Föderalismus, zieht man zusätzlich die kaum mehr überschaubaren Sammelbände mit in Betracht. Es existiert eine Vielzahl von Editionen sowohl was den Zusammenhang von Föderalismus und einzelne Problembereiche wie etwa die Verfassungspolitik (vgl.

3 Interstaatlicher und Intrastaatlicher Föderalismus Föderalismus ist ein multidimensionales, vielfältiges Phänomen, das nicht einfach „auf den Begriff zu bringen ist“ (Benz 2002: 13). Erschwert wird das Problem, föderative Systeme analytisch auf einem angemessenen Abstraktionsniveau zu erfassen und der vergleichenden Betrachtung zugänglich zu machen vor allem durch deren entwicklungsgeschichtlich bedingte Diversität und die daraus resultierende Bandbreite an Erscheinungsformen. 23 Im Folgenden wird der Faden des vorangegangenen Kapitels wieder aufgenommen, um die dort entfalteten theoretischen Überlegungen zum Verhältnis von Institutionen und historischem Wandel auf die beiden Föderalismusmodelle zu beziehen.

Den Begriff des interstaatlichen Föderalismus behält er deshalb Formen (quasi-) föderativer politischer Organisation oberhalb der nationalstaatlichen Ebene vor. Genau an diesem Begriffsverständnis knüpft auch Burgess bei seiner föderalismustheoretischen Re-Interpretation des europäischen Integrationsprozesses an (Burgess 2000: 28). 25 Ausgangspunkt ist für ihn die Frage, wie in föderativen Systemen der Bestand sowie die genuinen Interessen der regionalen Einheiten gewährleistet werden können. Für Smiley sind hierfür zwei institutionelle Vorkehrungen denkbar: Im interstaatlichen Föderalismus durch eine klare Kompetenztrennung, wobei insbesondere diejenigen Kompetenzbereiche den Gliedstaaten zugeteilt werden, die entweder konstitutiv für den Bestand ihrer regionalen Identität sind oder in denen die jeweiligen Auffassungen über ihre Ausgestaltung am stärksten divergieren.

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